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Olaf Kühl: „Sehnsuchtsort Russland“

 

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P+ plus

Melodien als Demaskierung von Geschichte [von Natalia Gańko-Laska]

Am Anfang war die Lüge, dann kam Stille. Ein halbes Jahrhundert später begannen die Niederschlesier zu singen.
Neunziger Jahre, Wales, Llangollen Music Festival. Die Bühne so groß, dass man Aida aufführen könnte. Vierzehn alte Weiblein aus dem Dorf Zbylutów. Unter ihnen Helena, 76 Jahre alt, wunderschön. Sie streift die Latschen ab, steht barfuß da, gibt einen Laut von sich, der an das Pfeifen eines altmodischen Teekessels erinnert. Sie rückt das Tuch mit Blumenmuster auf dem Kopf zurecht, holt noch einmal tief Atem. Er ist rein und trägt die Melodie, die an eine Wiese im Morgengrauen denken lässt. Helena singt ein Lied, das ihr einst weißrussische Bäuerinnen beibrachten. Sie hüteten zusammen Kühe, von fünf Uhr früh an, hockten eine neben der anderen, wärmten die Füße in frischen Kuhfladen. ...

mehr in P+ 12|2010 LAUSCHANGRIFF - Musik im neuen Osten

 

MIT EINEM ZWINKERNDEN AUGE [von Monika Talarczyk-Gubała]
Die polnische Komödie der letzten Jahre

Im polnischen Kino genießt die Komödie eine privilegierte Stellung. Besonders deutlich wurde das um die Jahrhundertwende, als die Komödien im Ranking der polnischen Jahrhundertfilme ganz oben standen und der Begriff „Kultfilm“ gerade mit solchen Titeln wie Rejs (Die Dampferfahrt, 1970), Miś (1980) oder Sexmission (1984) verbunden wurde. Im Westen denkt man beim „polnischen Kultfilm“ dagegen eher an Die Handschrift von Saragossa als an die Komödien aus der Zeit der Volksrepublik. Hat das erste Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts Komödien gebracht, die die Erinnerung an die alten Kultkomödien verblassen ließen? Welche Komödiengattungen haben die meisten Zuschauer ins Kino gelockt? ...

mehr in P+ 11|2010 Zweitwelten auf Zelluloid - Film im neuen Osten

 

VON FRIEDENSPFEIFE BIS FOUNDATION
Globetrotter Polens
[von Artur Jasiński]

Manchmal genügt ein Lächeln, um eine faszinierende Reise zu erleben. So war es zumindest in der Abenteuerserie ‚Eine Reise für ein Lächeln’ aus den 70er Jahren, in der zwei Jungen, weil sie ihr Geld für die Zugtickets verbummelt hatten, von Krakau nach Gdańsk trampen – und zwar nur für ein Lächeln. Bereits in der Kinderfilmwelt der Vorwendezeit erschuf man in Polen Protagonisten, die der kindlichen Fantasie die Liebe zum Reisen einpflanzten.

mehr in P+ 10|2009 ZeitReisen & AufholJagden

 

DER DISKRETE CHARME DES ERICH H. [von Olaf Kühl]
Ein Augenzeugenbericht

Da stand er plötzlich auf Armeslänge vor mir. Ein freundlicher kleiner Herr. Ruhig, gefasst, irgendwie „weiß“ in seiner ganzen Erscheinung, von der Hautfarbe, aber auch von seiner Kleidung, die sommerlich hell wirkte. Womöglich trug er in Wirklichkeit einen dunklen Anzug, unsere Begegnung liegt Jahre her, aber der Eindruck war der von Helle. Das Weiß verlieh ihm Unschuld.

War das der böse Mann, dessen Grenzer mich jahrelang drangsaliert hatten, wenn ich auf der Reise nach Polen durch sein Land hindurch musste? Er wirkte nicht gehetzt, im Gegenteil. Ich hatte fast den Eindruck, er wäre nach seiner Ausweisung aus Moskau froh, endlich wieder in den Händen verlässlicher, deutscher Behörden zu sein, bei denen alles seinen ordentlichen Gang geht. Von der russischen Regierung konnte er nur enttäuscht sein. Einzig und allein die Armee hatte zu ihm gehalten. Die Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte hatten ihm Unterschlupf im Militärhospital Beelitz geboten, und der sowjetische Verteidigungsminister Dmitrij Jasow, der im Sommer 1991 gegen Gorbatschow putschen sollte, hatte auf dem Militärflugplatz Sperenberg ein Armeeflugzeug bereitgestellt, mit dem Honecker am 13. März 1991 nach Moskau ausgeflogen wurde. Kanzler Helmut Kohl wusste davon, unternahm aber nichts. Er verriet sich nur durch einen kleinen Versprecher: Kurz bevor die Maschine abhob, sprach er den Fraktionsvorsitzenden der SPD, Hans-Jochen Vogel, im Bundestag mit „Herr Kollege Honecker“ an. ...

mehr in P+ 9|2009 Freiheitliche Farbenlehre

 

Wo beiben die Windräder? [von Katarzyna und Jan Opielka]

Windkraftanlagen soweit das Auge reicht – so ein Szenario stellen sich Laien häufig für Polen vor, wenn sie ihrer Imagination freien Lauf lassen. Sehr gut kann man sich dann die weiten Ebenen der Republik ausmalen, etwa im Osten des Landes und an der Küste, sieht zusätzliche Einkommensquellen für ganze Armeen armer Bauern, die ihr Land verpachten könnten, sieht die Öko-Maschinen rattern und die polnische Steinkohle, den nach wie vor wichtigsten Energieträger des Landes, ins Hintertreffen geraten.

Eine interessante Vorstellung – doch sie deckt sich nicht mit der Realität. Und das wird auch noch länger so bleiben. ...

mehr in P+ 8|2008 Spielfeld Umwelt

 

WO DER HUND BEGRABEN LIEGT [von Margret Kutschke]

Der Kultblog wirkinderdesweb

Wer ist @linka? Seitdem ihr Blog mydziecisieci, inszeniert von Dorota Masłowska, auf dem internationalen und multimedialen Theaterfestival BLOGTXT im Schauspielhaus Graz den ersten Preis gewann, erlebt das Interesse an den Beobachtungen der ewig Siebzehnjährigen aus der polnischen Provinz nahe der deutschen Grenze eine Renaissance. Was hat ein gewisser Jan Dzban damit zu tun? Und was um alles in der Welt ist so interessant an den selbstverliebten Einträgen einer durchgeknallten Teenagerin? ...

mehr in P+ 7|2008 ZungenZauber

 

Ein zweites Amsterdam? [von Margret Kutschke]

In welcher polnischen Stadt muss man Fahrrad fahren können, um ein guter Stadtpräsident zu sein? Wo muss sich selbst der Vizeumweltminister schon mal für die Presse abstrampeln? Und welche Stadt ist es, die gern als zweites Amsterdam gesehen werden möchte? ...

mehr in P+ 6|2008 Faible für Label

 

Wenn der Vater mit dem Sohne ... [von Artur Jasinski]

Die Fußballer Włodzimierz und Euzebiusz Smolarek

Ich kann mich noch genau an das Jahr 1981 und das Fußballspiel in Leipzig erinnern. Es waren die Qualifikationsspiele für die Weltmeisterschaften, die 1982 in Spanien stattfinden sollten. Es war das entscheidende Spiel für Polen. Und es war das letzte Spiel, dass ich zusammen mit meinem Vater gesehen habe.

Damals herrschte in Polen ein wahrer Karneval der Freiheit und alle hofften, dass sich nicht zuletzt durch die Aktivität der Solidarność-Bewegung in Kürze einiges zum besseren wenden würde. Freude und Hoffnung waren dennoch durchsetzt von der Angst davor, wie der Große Bruder und die Nachbarstaaten reagieren würden.

In dieser politischen Atmosphäre schaute sich Polen das Spiel im Fernsehen an. In das Leipziger Stadion kamen 85 Tausend Fußballfans, darunter ein paar Tausend Polen. Die Kontrollen der Staatssicherheit waren scharf, da man befürchtete, die polnischen Fans könnten während des Spiels Solidarność-Fahnen hochhalten. Das Spiel wurde live übertragen, ein politischer Skandal dieser Form sollte verhindert werden.

1981 war ich 10 Jahre alt und verstand nicht viel von dem, was in meinem Land und in der Politik geschah. Ganz anders sah das mit dem Fußball aus. Von Fußball hatte ich nämlich, wie ich damals glaubte, eine Menge Ahnung.

mehr in P+ 5|2008 Curricula Polonica

 

ROST [Ausschnitt aus dem Roman von Rafal Nowakowski, erscheint 2015 im Vliegen Verlag]

Als das Milchglas der Tür pistazienfarben aufleuchtete, traten Adrian und Hubert in Wangs Arbeitszimmer ein. Die asketische Leere des geräumigen Zimmers ließ sie erstarren. Der Raum wurde noch vergrößert durch eine getönte Panoramascheibe, die die gesamte gegenüberliegende Wand einnahm.

Im Licht des Nachmittags wirkte der Blick auf die zwischen Hochhäusern herausgekratzte Straße wie eine mit Sepia bedeckte retrofuturistische Fototapete. Ganz besonders fiel aber die detaillierte, zittrige Linie der Dächer ins Auge, gesträubt wie das Fell eines nassen Hundes. Der Blick drang nervös durch das Rauschen der Ränder: die Drehteile der Ventilatoren, Anbeuten, Schranken, Lofts und Wohncontainer auf den Dächern, die Stahlschränke der Elektroinstallation, dazwischen Fußgänger-Brücken und Viadukte, die schwebenden Kugeln der LED-Bildschirme, die mechanischen Libellen der privaten Flugapparate, holografische Schlagzeilen und Bilder ...

mehr in P+ 4|2007 MännerMachtSpiele


Auzug aus P+ 14
WIRKLICHKEIT ERFINDEN
Michał Żak: Der große Ararat

  

 

 

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